Manchmal ist es gar nicht leicht, Ruhe zu finden. Gerade Menschen, die in der Stadt leben, können ein Lied davon singen. Ich selbst habe zwei Jahre in Hamburg und zwei Jahre in München gelebt. Beide Städte sind traumhaft schön, aber keine von ihnen findet zur Ruhe – dies ist jedoch meine persönliche Wahrnehmung.
Doch die Stille, um die es hier geht, ist eine innere Stille. Die wahre Stille ist nicht auf die Abwesenheit von Geräuschen angewiesen – wir können sie auch inmitten äußeren Lärms erfahren. In der Natur fällt es den meisten Menschen leichter, sich zu besinnen und in sich selbst einen Ruhepol zu finden. Dort sind wir eher bereit, uns mit unseren Sehnsüchten und verborgenen Möglichkeiten zu beschäftigen, die wir im Getriebe des Alltags so leicht aus den Augen verlieren.
Wichtiger als alles äußere Tun ist dabei jedoch immer die innere Ausrichtung – die Bereitschaft und Offenheit, sich einzulassen, in diese Stille hineinzulauschen, ihr nachzuspüren und sie auf besinnliche Weise zu erleben. Unsere innere Ruhe entsteht nicht automatisch; wir müssen unseren Teil dazu beitragen.
Eine Möglichkeit besteht darin, bewusst in die volle Wahrnehmung einzutauchen und unsere Sinne zu aktivieren. Dies gelingt am einfachsten, wenn wir unsere gewohnte Umgebung, in der die Alltagshektik präsent ist, für einen Augenblick verlassen und die Natur aufsuchen. Dafür musst du nicht weit wegfahren – ein Spaziergang durch den Park, den Wald oder über eine Wiese ist in der Regel schon ausreichend, um die Wahrnehmung zu erleichtern.
Ebenso wichtig ist es, unseren Geist regelmäßig aus der Gefangenschaft seiner alltäglichen Denkgewohnheiten zu befreien. All unsere Sorgen, Pläne und Grübeleien dürfen einmal ganz in den Hintergrund rücken. Durch die Ausrichtung auf das, was jenseits allen Lärms liegt, kann das ganz Andere in den Vordergrund treten – und die sehnsüchtige Ruhe wird plötzlich greif- und begreifbar.
Die Stille ist niemals leer. - Pia -
Meditation - In die Stille lauschen
Die Meditation eignet sich gut für die frühen Morgen- oder die späten Abendstunden. Eine ganz besondere Atmosphäre bietet die Stille der Winternächte. Gerade in den dunklen Stunden können innere Erfahrungen sehr beeindruckend sein.
❄️ Suche dir einen ruhigen Platz. Wenn möglich (kein Muss), suche dir eine Stelle in der Natur. Im Winter könntest du dich in einen verschneiten Wald begeben. Falls du die Übung zu Hause durchführst, achte darauf, dass alle äußeren Lärmquellen so gut wie möglich abgeschaltet sind.
❄️ Setze oder stelle dich aufrecht hin und achte darauf, dass deine Wirbelsäule aufgerichtet ist: Ziehe deine Scheitelkrone in den Himmel und dein Kinn minimal in Richtung Brustbein. Schließe deine Augen. Achte darauf, dass deine Schultern locker sind und dein Gesicht entspannt ist. Konzentriere dich auf deinen Atem. Spüre, wie jede Einatmung kommt und jede Ausatmung wieder geht.
❄️ Richte deine Aufmerksamkeit auf die Welt der Klänge und Geräusche um dich herum: Was nimmst du in diesem Augenblick wahr? Vielleicht sind es Naturgeräusche – wie der Wind, raschelndes Laub, Schneeflocken, die sanft auf den Boden fallen. Vielleicht gibt es aber auch Verkehrs- und Fußgängergeräusche.
❄️ Lass die Klänge, die jetzt auftauchen, einfach kommen. Suche nicht aktiv nach Geräuschen, sondern lass sie einfach auf dich zukommen. Heiße die Klänge willkommen, ganz gleich, ob du sie als angenehm oder unangenehm empfindest. Lass die Klänge durch deinen Körper und dein Bewusstsein wehen, so wie der Wind durch die Baumkronen streicht.
❄️ Wenn innere Geräusche aufkommen – wie Gedanken oder Gefühle, die in dir Lärm erzeugen, etwa Pläne, Ängste oder Sorgen, die mitunter sehr laut werden können – dann höre ihnen genauso zu wie den äußeren Tönen. Wichtig: Lass sie ebenso kommen – und durchwehen.
❄️ Versuche nun, etwas tiefer zu lauschen: Kannst du „hinter den Geräuschen“ die Stille wahrnehmen? Hinter dem dumpfen, leisen Rauschen, hinter deinem Herzschlag und deinem Atemgeräusch – spüre diesen stillen Raum. Nimm ihn ein wenig wahr und verweile darin
❄️ Beende die Meditation erst dann, wenn dir danach ist. Du wirst spüren, wann du aufhören möchtest. Öffne dann deine Augen und lass die Reise noch ein wenig nachwirken, wenn du magst.
Viel Freude beim Ausprobieren,
Pia