Mensch-Natur-Beziehung
Wann immer ich kann, begebe ich mich auf einen Spaziergang durch die Natur. Ein solcher Spaziergang oder eine Wanderung ist für mich wie ein kleines Abenteuer – so bleibe ich geerdet und spüre das Leben. Ich lebe im Süden Deutschlands, genauer gesagt im bayerischen Oberland, und ich liebe – ich spreche wirklich von Herzensliebe – die Natur in unserem Umland. Die Berge, die glasklaren Seen, die wilden Flüsse, unsere Jahreszeiten, die man deutlich spüren und sehen kann, unsere Heimatwälder – so viel ursprüngliche Natur.
Doch Abenteuer sind nicht die einzige Möglichkeit, sich mit der Natur zu verbinden. Ich interessiere mich auch dafür, wie die Natur wahrgenommen wird, wie man erlebt, was man erlebt, und warum diese Erfahrung so wichtig ist. Ich fokussiere mich weniger auf wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern mehr auf das persönliche Erleben und das individuelle Bewusstsein. Ich möchte wissen, was wir lieben, warum uns gewisse Dinge Leichtigkeit bringen, uns motivieren, uns faszinieren – insbesondere die Natur oder Situationen und Systeme, die auf uns wirken und wie wir darauf reagieren.
In meiner Arbeit als Naturcoach bekomme ich eine ganz besondere Einsicht in all diese Themen – wie Menschen ganz individuell ihre Beziehung zur Natur erfahren. Ich beschäftige mich weniger damit, wie Gedanken und Gefühle in unserem Gehirn entstehen (auch wenn es Spaß macht und ich als langjährige Fitness- und Gesundheitstrainerin hier viel dazugelernt habe), sondern vielmehr damit, wie sie unseren Körper und Geist beeinflussen. Wie wir uns unseren Weg durch die Welt erfühlen, kann eine entscheidende Rolle bei der Verbesserung unseres Wohlbefindens und des Geerdetseins spielen.
Was die Natur für dich bedeutet, basiert sicherlich auf deinen eigenen Erfahrungen. Wenn sie dir Gutes gebracht hat, wirst du ihr wohlwollend gegenüberstehen. Hast du aber schlechte Erfahrungen in der Natur gemacht, wird sich deine Sichtweise auf sie verändert haben. Wenn dir die Natur nie nähergebracht wurde, hast du womöglich die größte Hürde zu überwinden. Eine Beziehung ist nie festgelegt, und Erfahrungen in und mit der Natur sind genauso vielfältig wie wir selbst.
Mir wurde der Zugang zur Natur zum Glück schon früh durch meine Eltern in der Kindheit ermöglicht. Wir hatten einen Campingplatz an der Ostsee, und so hatte ich schon sehr früh die Gelegenheit, zu erfahren, welche ungemütlichen Kräfte die Natur haben kann und wie ich und die Menschen um mich herum darauf reagieren. Mein Blick auf die Natur ist sehr positiv, auch wenn er die ein oder andere Herausforderung umfasst. Wenn man vom Gesamtsystem Natur spricht, gehört die Natur niemandem – auch wenn manche versuchen, uns vom Gegenteil zu überzeugen. Trotz gezogener oder natürlicher Grenzen ist sie grenzenlos. Sie gehört sich selbst und zugleich ist sie ein Teil von uns. Wir bilden unseren eigenen Zugang zu ihr.
Wenn man sich der Natur nähern möchte, muss man dies in einer respektvollen, wechselseitigen Beziehung tun. Wir können uns erden, ruhig und klar werden, Hürden mit ihr überwinden und uns einen ganz natürlichen Halt holen. Eine Rückverbindung zur Natur tut uns und Mutter Erde gut.
Zum Abschluss möchte ich dich ermutigen, selbst auf Entdeckungsreise zu gehen – nicht nur in der Natur, sondern auch in deinem Inneren. Jeder Spaziergang, jede Wanderung ist eine Gelegenheit, sich selbst besser kennenzulernen und sich wieder mit der Welt um uns zu verbinden. Die Natur hat so viel zu bieten – sie hält uns in Balance, schenkt uns Ruhe und Klarheit und zeigt uns, wie wir mit Herausforderungen umgehen können. Sie ist ein wertvoller Begleiter auf unserem Weg, wenn wir uns auf sie einlassen und mit offenen Sinnen und Herzen durch sie hindurchgehen.
Vielleicht findest du dabei nicht nur Antworten, sondern auch die Ruhe und Kraft, die du suchst.
Bis bald,
Pia